Calle 13
Reggaeton band
Wie inzwischen fast jeder weiß, ist der Zweck von Havana Cultura, kubanische Künstler zu präsentieren, aber heute machen wir eine seltene Ausnahme (eigentlich unsere erste Ausnahme) für Calle 13. Letzten März trat diese international gefeierte Band aus Puerto Rico zum ersten Mal in Kuba auf, und das Konzert war nicht weniger als historisch. Bei der Vorstellung der Band vor einer halben Million Personen, die sich auf Havannas Plaza Anti-Imperialista drängten, schrie der kubanische Schlagersänger Kelvis Ochoa – der einen lang gehegten Traum, Calle 13 nach Kuba zu bringen, so erfüllt sah – „Das ist eine Party für euch!” Calle 13 und ihre Havanna Fans begannen zu den zweifelsohne tanzbaren aber textlich anspruchsvollen Klängen zu feiern, eine Musik, die als „Reggaetón” abgetan werden kann, aber nur wenn man nicht aufmerksam zugehört hat. Als „Alternatives Reggaetón” haben es einige Musikjournalisten beschrieben, aber egal wie man es nennt, Calle 13 in Havanna waren ein Fuego, wie abgehoben, wie man hätte dort sein sollen. (Falls nicht, kann man sich trösten, indem man sich einen Teil dieses Konzerts auf dieser Website anschaut.)
Als Kelvis Calle 13 als „unsere Brüder aus Puerto Rico” begrüßte, wusste er wovon er sprach. Die Band besteht aus zwei Halbbrüdern aus San Juan, die sich selbst Residente (mit bürgerlichem Namen René Pérez Joglar) und Visitante (mit bürgerlichem Namen Eduardo José Cabra Martínez) nennen, und sie halten gerne ihre Musik in der Familie. Ihre Schwester (als PG-13 bekannt) singt bei einigen ihrer Lieder, so wie ihre Mutter, die Schauspielerin Flor Joglar de Gracia. Aber Kelvis Ochoa bezog sich zweifelsohne auch auf die brüderliche Beziehung zwischen zwei karibischen Inselstaaten mit ähnlichen Geschichten aber sehr unterschiedlichen Schicksalen.
Calle 13 sind für ihre Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegung von Puerto Rico bekannt, und es ist für independentistas nicht ungewöhnlich, ein enges verwandtschaftliches Verhältnis mit den Kubanern zu fühlen, die in den letzten 51 Jahren auf sich alleine gestellt waren, während Puerto Rico im Grunde eine Kolonie der Vereinigten Staaten blieb. Als Calle 13 „Querido FBI“ sang, flippte die Masse aus. Erinnern Sie sich an diese Reggaetón-Band, die ihre kleine Schwester so mochte? Nun ja, sie hätten nie ein Lied wie „Querido FBI” geschrieben.
Es ist ein Tribut an Filiberto Ojeda Ríos, dem puerto-ricanischen Separatistenführer, der 2005 von der US-Bundespolizei, beim Versuch ihn bei sich zuhause zu verhaften, erschossen wurde. Das Lied wurde innerhal Stunden nach seinem Tod komponiert, aufgenommen und veröffentlicht (kostenlos im Internet) und verhalf Calle 13 zu internationalem Ruhm. Sie wurden genauso für ihr politisches wie für ihr musikalisches Können berühmt. 2009 wurden Sie vom Präsidenten Ecuadors, Rafael Correa, nach Quito eingeladen, um bei einer Veranstaltung aufzutreten, an der der Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, der ex-Präsident Honduras, Manuel Zelaya, der Präsident Kubas, Raúl Castro, und der Präsident Nicaraguas, Daniel Ortega, Reden hielten.
So kraftvoll ihre politische Botschaft sein mag, Calle 13 verleugnen ihre Pflicht zur Unterhaltung nicht. Sie möchten eindeutig Spaß haben und sich über andere Musiker (P. Diddy in „Pi-Di-Di-Di”, 50 Cent in „La Crema”) und die Plattenindustrie selbst lustig machen („Atrevete-te-te!"). Im Zuge dreier Alben – Calle 13 (2005), Residente o Visitante (2007) und Los De Atrás Vienen Conmigo (2008) – haben sie nicht weniger als 10 Latin Grammy Auszeichnungen erhalten. Während einer seiner Dankesreden rief Residente – der Sänger der Gruppe und Haupttexter – „Ich bin so glücklich, dass ich pissen muss!” Im vergangenen Frühjahr in Kuba, als Calle 13 vom kubanischen Musikinstitut einen Cubadisco Preis erhielt, trat Residente dezenter auf: „Es ist erstaunlich, wenn man denkt, dass all diese Menschen hier sind, um zu hören, was man zu sagen hat. Man fühlt, dass was man tut, irgendwie durchdringt.”
This Summer, ...














