X ALFONSO
Sänger - Komponist - Produzent
Es gibt wohl kaum einen merkwürdigeren Veranstaltungsort als Havannas Jardines de La Tropical, ein ehemaliger Biergarten am Ufer des Almendares, der mit Dschungellianen überwachsen ist – ein Ort, an dem Tarzan der Affenmensch Rave-Partys bei Mondlicht feiern könnte.
Der legendäre Status von Los Jardines entstand in den 1940er Jahren, als Mambo-Pionier Arsenio Rodríguez hier sonntags zum Tanz aufspielte, weil kein anderer Veranstaltungsort in Havanna afrokubanische Zuschauer zuließ, ganz zu schweigen von afrokubanischen Musikern. Man könnte argumentieren, dass Fusion, sowohl in ethnischer wie in musikalischer Hinsicht, im Los Jardines de La Tropical geboren wurde.
An einem Nachmittag, als die untergehende Sonne schon Schatten auf das Grün der vielen Pflanzen warf, strömte vor kurzem ein junges Publikum ins Los Jardines, um X Alfonso zu sehen, dessen Musik ein gutes Barometer für die Bedeutung der afrokubanischen Fusion darstellt. Außerdem ist er, was Havanna angeht, ein Superstar. Das Konzert sollte erst in über zwei Stunden losgehen, aber der Tanzboden füllte sich schnell. Wer zur Bühne schaute, konnte X („Equis“ gesprochen) Alfonso sehen, der Verstärker und anderes Equipment heranschleppte. Man hätte ihn mit einem seiner Roadies verwechseln können – wenn er denn Roadies gehabt hätte. Jedenfalls schien es niemand zu merken. Oder vielleicht wollten die Leute den Mann nur bei der Arbeit in Ruhe lassen – dies ist schließlich Havanna.
Ein paar Stunden später ist die Zeit zum Nichtaufpassen vorüber. X steigt auf die Bühne, und die Menge brüllt begeistert. Hip-Hop, Son, Reggae, Jazz, Rock… Es ist ein heißer afrokubanischer Dschungel-Mix, und die Leute im Los Jardines können gar nicht genug davon kriegen. Projizierte Bilder zeigen Kunstwerke (von X selbst) oder spiegeln die Songtexte wider, die jeder auswendig zu kennen scheint. X ist beim Rap ebenso zu Hause wie bei Liebesballaden. Die Zahl der Musiker auf der Bühne verändert sich ständig. Irgendwann sind auch seine Eltern mit dabei, Carlos Alfonso und Ele Valdés, Gründer der Band Sintesis, in der X 1990 erste professionelle Erfahrungen sammelte.
Man könnte sagen, dass X Alfonso in eine Welt der Fusion hineingeboren wurde. Nach dem Studium des klassischen Klaviers spielte und komponierte er zunächst mit Sintesis. („Meine Eltern mischten symphonischen Rock mit den afrikanischen Wurzeln Kubas.“) Dann schloss er sich der Jazzband Estado de Animo an, mit Roberto Carcassés, Descemer Bueno und Elmer Ferrer. 1992 gründete er ein christliches Rock-Trio (finanziert von der katholischen Kirche), in dem er als Bassist, Komponist und Arrangeur mitwirkte. Im darauffolgenden Jahr war er bereit, seine Solokarriere zu starten: Er lud Maler, Rapper und Tänzer auf die Bühne ein und projizierte seine eigenen Videos hinter sie – wie er es auch heute noch tut. Er kombinierte auch Musik für mehrere Tanzensembles und steuerte 2005 neun Songs für den Film „Havanna Blues“ bei – hierfür wurde er mit dem spanischen Goya-Preis für den besten Original-Soundtrack ausgezeichnet.
Sein erstes Album „Mundo Real“ kam im Jahr 2000 heraus und schien metaphorische Ergüsse in all jenen auszulösen, die den Sound von X beschreiben sollten. „Ein bisschen Babyface, ein bisschen Beatles, ein bisschen Neville Brothers“, so der Kommentar eines Kritikers, der in demselben begeisterten Review dann auch noch Grandmaster Flash und Massive Attack erwähnte.
„X Moré“ (2001) war eine Hip-Hop-Hommage an Beny Moré, während X auf seinem jüngsten Album „Civilización“ über traditionellen Bolero- und Mamba-Rhythmen rappt. „Ich glaube, dass diverse Stilrichtungen und Trends in mir zusammenlaufen, obgleich kubanische Trends vorherrschen“, erklärte X einmal. „Das hat mit dem Umfeld zu tun, in dem ich aufwuchs.“
Diskografie:
CIVILIZACION – 2005 – Nuevos Medios
DELIRIUM TREMENS – 2002 – Bis Music
X MORE – 2001 – Velas Records
MUNDO REAL – 2000 – Velas Records
und das neue Album REVOLUXION, geplant für Ende 2007
Auszeichnungen:
- 2 spanische Musikpreise 2006: Bester lateinamerikanischer Newcomer & Bester Soundtrack für „Havanna Blues“
- Goya-Preis 2006, Bester Soundtrack für „Havanna Blues“
- Gran Premio de Cuba Disco 2005 und Primer Premio in den Kategorien Fusion, Video und Rap
- Cuba Disco 2003, Bester Soundtrack für „Delirium Tremens“
- Nominierung für den Latin Grammy 2002 für das Album „X Moré“, Kategorien: Bestes Hip-Hop-Album, beste Produktion
- Nominierung für den Latin Grammy 2001, Kategorien: Bester Song, bester Newcomer, bestes Popalbum für „Mundo real“













