OGGUERE
Hip-Hop Duo
Edrey ist der mit dem Filmstarlächeln, der klingen kann wie James Brown („Get funky!“) oder Snoop Dogg („I got my baby…“), wenn ein Text überzeugend vorgetragenes afroamerikanisches Englisch verlangt. Ulises hält sich ans kubanische Spanisch und strahlt die Art von geduldiger Intelligenz aus, die eher an einen Unidozenten erinnert als an einen Rapper in Musikvideos. Sie nennen sich Ogguere, ein Yoruba-Wort, das „Seele der Erde“ bedeutet, und sind so etwas wie die hochangesehenen „älteren Staatsmänner“ des kubanischen Rap.
Tatsächlich gibt es Ogguere eigentlich erst seit 2004, doch die Partnerschaft begann schon ein Jahrzehnt früher. Edrey und Ulises taten sich Anfang der 1990er Jahre zusammen, in Havannas Stadtteil Santos Suarez, wo Edrey mit seiner Großmutter an der Avenida Serrano wohnte (und immer noch wohnt). Ulises wuchs in El Cotorro auf, Heimat der alten Brauerei Modelo, und war jeden Tag zwei Stunden unterwegs, um nach Santos Suarez zu gelangen. Die beiden hingen im Parque Policía herum, einem öffentlichen Spielplatz, auf dem Leute aus ganz Havanna zusammenkamen, um zu rappen und sich im Breakdance zu üben. „Ich weiß, dass Alamar als Veranstaltungsort des ersten Rap-Festivals bekannt ist, und das respektiere ich, aber die Leute sollten auch den Parque Policía kennen.“
1996 begannen Edrey und Ulises, mit Kubas bekanntestem Rap-Produzenten Pablo Herrera zusammenzuarbeiten, der zufällig auch in Santo Suarez, in der Calle Zapote, lebte. Irgendwie widerstanden sie der Versuchung, in die potenziell lukrative Reggaeton-Nische zu rutschen, wie viele kubanische Rapper vor und nach ihnen. „Unsere Idee ist, alle Rhythmen zu verwenden, die wir in Kuba haben – Mambo, Son, Cha-Cha-Cha – und sie in die Rap-Musik einzubringen und mit Funk, Rumba und der Musik zu mischen, die unsere Vorfahren auf Kuba gehört haben“, erklärt Ulises. „Wir wollen Folklore machen, was unsere Lyrik, unseren Rap angeht. Wir wollen, dass unsere Großeltern trotz ihres Alters das Gefühl haben, dass sie etwas mit uns gemeinsam haben, und wir mit ihnen.“
Ein Beispiel hierfür ist „Cha Cuba“, der Track, den Edrey und Ulises 2001 mit dem Orquesta Aragón aufnahmen, einer traditionellen Charanga-Band, die seit 1939 existiert. Das Stück gilt als die erste Kombination aus Cha-Cha-Cha und Hip-Hop überhaupt und trug dazu bei, dass Orquesta Aragóns Album „En Route“ für einen Grammy als „Bestes traditionelles Tropical-Latin-Album“ nominiert wurde.
Ein paar Jahre später zeigten Ogguere, was sie wirklich drauf haben – mit dem Stück „¿Como está el yogourt?“ und dem dazugehörigen Video, bei dem der renommierte kubanische Künstler Alexandre Arrechea Regie führte. Was genau meinen die beiden, wenn sie fragen: „Wie geht’s dem Joghurt?“ „Das hat meine Mutter immer zu mir gesagt, als ich klein war“, erinnert sich Edrey. „Sie hat immer gesagt, dass ich sie verrückt mache. Also beschlossen wir eines Tages, ein Lied darüber zu schreiben, und jetzt ist es ein richtig kubanisches Ding geworden, ein nationales Ding, fast international.“ Aber vor allem scheint es ein Ding von Santos Suarez zu sein „Wenn man die Leute in der Nachbarschaft fragt: ¿Como está el yogourt? weiß jeder, wie’s dem Joghurt geht“, sagt Edrey mit einem Lachen. „Hier in Santos Suarez sind wir eine Familie – eine große Familie.“
Als das Interview mit Havana Cultura lief, waren Ogguere zurück im Viertel – eine Verschnaufpause von den Aufnahmen zu ihrem ersten Album „Llena de Amor El Mambo“, das Beiträge von kubanischen Künstlern wie Chucho Valdés, Haydée Milanés und Roberto von Los Van Van enthält. Ulises jedenfalls ist mit dem Ergebnis nicht unzufrieden. „Die Fusion zeitgenössischer Musik mit dem Mambo, die auf dem Album zu hören ist – ich glaube nicht, dass es so etwas bisher je gegeben hat.“


















