KUMAR
Hip-Hop-Künstler
Obgleich sein erstes eigenes Album noch aussteht, ist Kumar in Havanna alles andere als unbekannt. Er steuerte zwei herausragende Raps für „A Diario“ bei, dem vor kurzem erschienen Debütalbum von Telmary. Er erscheint als Schauspieler in Benito Zambranos Film „Havanna Blues“, zu dessen Soundtrack Kumars „No Se Vuelve Atras“ zählt. Und sein Name scheint in jeder Diskussion zum kubanischen Hip-Hop aufzutauchen.
In dieser Hinsicht könnte man Kumar mit einem Rapper wie Snoop Dogg vergleichen, der im Titelsong zu dem Film „Jenseits der weißen Linie“ und auf Dr. Dres Debütalbum „The Chronic“ von 1992 zu hören war und seine Fans verzweifelt auf „die nächste Folge“ warten ließ, bevor er etwas unter seinem eigenen Namen veröffentlichte. Doch dieser Vergleich ist irgendwo auch irreführend. Denn Kumar hat nicht viel vom „Gangsta“. Er ist bescheiden, ja fast scheu, und seine Entourage besteht aus seinem Bruder, der als Manager fungiert, und das war’s auch schon. Keine Lobeshymnen auf pharmazeutischen Konsum, kein Prahlen mit sexueller Potenz oder verprügelten Feinden.
Das heißt aber nicht, dass Kumars Texten der Biss fehlt oder seine Bühnenshows nicht durchschlagen. Ein Kritiker verglich ihn mit den Beastie Boys, wegen seiner „revolutionären Hip-Hop-Sprache, kombiniert mit der vulkanischen Energie des Rock’n’Roll.“ Ein zweiter verglich ihn mit Bob Marley, vermutlich wegen der Dreadlocks.
Sicher ist jedenfalls, dass Kumar das Talent besitzt, die gemeinsame Erfahrungswelt der schwarzen Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen, das Erbe, das ihn mit Generationen vertriebener und enteigneter Menschen verbindet. „Ihr fragt nicht, wer wir sind, und noch viel weniger, wer wir waren“, singt er in „No Se Vuelve Atras“. „Wichtig ist nicht, wie wir angekommen sind oder ob wir hier sind. Wichtig ist, wofür wir stehen.“
Er begann 1998 mit einer Gruppe, die sich „Duros Como el Acero“ (Hart wie Stahl) nannte, sein Rapper-Name war El Menor. Er schloss sich dem einflussreichen Kollektiv Familias Cuba Represent an und tauchte anschließend immer wieder auf Alben und Kompilationen auf, die seine Entscheidung, eine musikalische Laufbahn einzuschlagen, als richtig bestätigten. 2003 produzierte er ein Demo seiner eigenen Songs unter dem Namen Kumar, heute arbeitet er außerdem auch in dem Künstlerkollektiv Interactivo mit, dem auch Yusa, Telmary, William Vivanco und Produzent Roberto Carcassés angehören.
July 18th, 2009 - TURIN: Ciriè
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