Havana Cultura Remixed: ein Doppel-Album Ihrer bevorzugten kubanischen Melodien remixed Gilles Peterson präsentiert Havana Cultura: The Search Continues

Havana Cultura Sessions

Danay Suarez

Guajira
Guajira
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Ser o no ser
Ser o no ser
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Musik
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Hay un lugar
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En lo profundo
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Guajira
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Ser o no ser
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Gilles machte während über fünf Stunden Aufnahmen in den legendären EGREM-Studios mit dem Kern seines Havana Cultura Projekts: Mitproduzent und Pianist Roberto Fonseca, seine Dreierband und der Schwerpunkt des Tages, die Sängerin Danay. Sie waren während fünf Tagen im selben Studio, probten für ihre anstehende Europatournee, und es war eine lebhafte, intensive aber lustige Zeit. Jetzt war der riesige Raum umgewandelt worden, durch Schutzwände geteilt und von Weihrauchschwaden gemildert, um eine intime, zu den Akustik-Sessions passende Atmosphäre zu erzeugen, die auf der Danay EP mit 4 Stücken erscheinen würden.

Dieser letzte Tag in Havanna war der Höhepunkt von Gilles’ Woche, gab er zu, die Verwirklichung seines Traums, Danay als Solo-Künstlerin einzuführen, die eine Fusion aus Jazz, Soul, R’n’B und afrokubanischem Hiphop sang. Er verbarg seine Bewunderung in keiner Weise: „Ein Phänomen”, nannte er sie, „die beeindruckendste Sängerin, die ich je gehört habe und mit der ich in den letzten fünf Jahren gearbeitet habe.” Das ist ein ziemliches Kompliment angesichts der Reihe an brasilianischen und britischen Mädchen, mit denen er Aufnahmen gemacht hatte.

Der Plan von Gilles war seltsam, vielleicht sogar riskant, aber nachdem er fünf Tage lang Danay zugehört hatte, wie sie zu flippigen afrokubanischen Rumbas, trällernden Guajiras und herzergreifenden Boleros sang, hatte er keine Zweifel. Jetzt sang sie in einer Kabine in einen dieser heuschreckenähnlichen Mikrophone aus den 50ern, sie hatte ihre Augen geschlossen und war in einem Tagtraum verloren. Es war Magie und Geister der vielen fabelhaften kubanischen Sänger, die dort aufgenommen haben, in der Luft. Aber jetzt stand sie alleine da, gegenüber von Fonseca am anderen Ende des Studios, und sein Spielen folgte ihrem Gesang, freifallenden Scat-Improvisationen und rhythmischen Verbindungen mit den Musikern und trieb diese an. Nach einer Woche gemeinsamer Produktion und Beaufsichtigung mit Gilles, war er wie die anderen tief in die Musikproduktion involviert, die zu afrokubanischen Traditionen führte und ein spirituelles Element besaß.

Unmittelbar eindrücklich an Danay ist, dass sie ihre natürliche Stimme kennt und ausnützt. Immer noch Anfang 20 hört sie sich genauso reif an, wie jemand, der doppelt so alt ist. Gilles vergleicht sie mit Jill Scott und in übermäßig begeisterten Momenten mit dem jungen Billie. Ihre Mutter sagte ihr, dass sie zum Singen geboren sei. Ihre Universität war die Straße, sagt sie, und als Teenager hängte sie sich in die Hip-Hop-Szene ein und tat sich mit Aldo Rodriguez zusammen, der zukünftigen Hälfte des sensationellen Hip-Hop-Duos Los Aldeanos. Dann schloss sie sich dem Jazz-/Rockstar X Alfonso an. „Rap wurde für mich zu einer Lebensweise”, sagt sie ,„aber ich kann vom Rappen zum Singen wechseln und wieder zurück“. Und genau das tut sie. Ihr klassisches Training und ihre Sopranostimme bieten eine reichhaltige Palette an Noten und Tonhöhen, und sie erzeugt Farben wie Reflektionen im Sommerregen. Es ist eine dieser seltenen Stimmen, die entlang vieler vokaler Identitäten wechselt: als Soul- und R’n’B-Sängerin, als Cocktail-Jazz-Expressionistin, als Chanteuse aus Paris, als instinktive Improvisatorin und als Scat-Sängerin, auf gleicher Höhe wie die Größen des Bebop. Die letzten zwei Eigenschaften machen sie zu einer wortgewandten Rapperin, ihre Worte fließen schnell, auf Melodien abgestimmt und Rhythmen nutzend, aber sie lässt immer Raum, um die emotionalen Elemente zu betonen. Zum Glück für Gilles träumte sie schon immer, eine Jazzsängerin zu sein.

“Hay un lugar” (Es gibt einen Ort) baut von langsam, romantisch und besinnlich zu Leidenschaft und Feier auf und stellt den ausdrucksvollen Bereich der Stimme Danays und Fonsecas wundervollen romantischen Seite zur Schau. Beide nutzen die Verwendung des Raums glänzend aus. Ihre verschwindenden Noten machen Platz für einen typischerweise leidenschaftlichen, klassisch-basierten Spaß, der abblendet, um kurze Eindrücke ihres soulmäßigen Jazz-Charakters zu bieten.

„En lo profundo” (In der Tiefe) ist ein Lieblingsstück von Fonseca, auf der Bühne und auf der Platte, ein fabelhaft strukturiertes, peppiges Rumba-Festmahl aus Getrommel und Gesang, das um seinen wiederholenden, hypnotischen Piano-Refrain strukturiert ist. Die wilden rhythmischen Gegenströmungen sind ein Hintergrund zu seinem eindringlichen Heulen an die Götter, während Danay in neue, tiefere Strukturen dringt, in zerstückelten Worten singt und sich wortlos wie eine schamanische Soulsängerin erhebt. „Diese Lieder sind reiner R’n’B”, schmunzelt Gilles.


„Guajira” ist das konventionellste, familiärste und gefühlvollste Lied auf der Platte, ein im Land geliebter Klassiker des Buena Vista Repertoire und nun um einen klassischen Fonseca-Riff konstruiert. Es wechselt von leichtem Latin-Jazz in eine Salsa-Stimmung, und die Rahmenschläge auf hölzernen Timbales von Ramses Rodriguez, die durch das Stück hallen, erwecken Tanzgedanken – und die Decken bei Fonsecas Liveauftritten. Aber hier erwidert es auch den zarten Gesang von Danay, scheinbar an einen Geliebten.

„Ser o no Ser” (Sein oder nicht sein), dieses höchst raffinierte Lied in der Sammlung stellt jeden Musiker der Band zur Schau. Vom wiederholten Titelriff löst sich der Pianist mit umwerfender, emotioneller Wirkung. Dies ist ein komplexes, fast gedankliches Stück, das schwierige, lyrische Solos von fast jedem Instrument umfasst und sieht, wie Danay durch ihr Stimmenrepertoire flitzt. Als Fonseca den vertrauten Refrain aus dem instrumentalen „Drume negrita“ auf seinem 2009 Album ansagt, „Akokan”, fährt sie fort und flüstert „Drume negrita (Schlaf, kleines schwarzes Mädchen)” in einem von Celia Cruz beliebt gemachten Schlaflied. Es wird einschläfernd, sogar als Meditation, und während das Baby schläft, schwindet es in die Traumzeit.

Mit der Band, die nach diesem abschließenden Lied, ein 21-minütiges Glanzstück, still im Regieraum saß, flüsterte Gilles, „Lassen wir so, wie es ist.” Sie taten es.

Eine Stunde später und mit Danay im Bus auf dem Weg nach Hause, Roberto in seinem Baby-Fiat und Gilles in einem Taxi Richtung Flughafen mit seinem in Erfüllung gegangenen Traum twitterte er „Habe gerade das Danay-Album in den Egrem-Studios, Havanna aufgenommen – außergewöhnlich, tiefer, spiritueller Cubano-Jazz, einer der wahrhaften Höhepunkte meines Lebens”.


Sue Steward, Oktober 2010, England.

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