Bilko Cuervo
Filmregisseur
Bilko Cuervo, 29, führt Gespräche so wie er seine preisgekrönten Musikvideos macht: viel Leidenschaft, viele Sprungschnitte. Nach einem Gespräch mit ihm kann man sehen, warum er glücklich war, mit 15 Jahren nach Havanna gekommen zu sein. Er wurde in Holguin geboren, etwa 700 km östlich von Havanna, aber Bilko brauchte das schnellere Tempo der Hauptstadt.
Sein Weg zum Filmregisseur führte über die Werbung. Er machte Werbespots, die wie Popvideos klangen und aussahen, und dann war es nur noch ein kleiner Sprung bis zum echten Ziel. Heute behauptet Bilko, die erstaunliche Anzahl von 156 Musikvideos und die noch erstaunlichere Anzahl von 124 Fallschirmsprüngen gemacht zu haben („jeder große Künstler hat ein geheimes Leben!“). Seine Erfahrung im Werbebereich lehrte ihm, seinen Kunden zu dienen, auch wenn er eventuell nicht der größte Fan von dem ist, was sie verkaufen. Diese Lektion war für ihn ausschlaggebend, denn trotz seiner persönlichen Bevorzugung für Rock und Hip-Hop hob die Karriere von Bilko dank dem Reggaeton ab. Er gewann 2007 die Auszeichnung als bestes Video für die Leitung der „Eddy K“ Band in „Apagon Total“. Er produzierte „El Gremio“ für Gente de Zona und „Baby“ für Alianza Cubana. „Ich mag Reggaeton-Musik nicht besonders, aber es ist meine Arbeit“, sagt er.
Der Trick für ihn ist es, jeden Film so interessant wie möglich zu gestalten – und offensichtlich auch so kubanisch wie möglich. Die Kulissen von Havanna sind ein gemeinsamer Leitfaden in den meisten Filmen von Cuervo (William Vivancos „El Pilón“, Jackeline Vells „Nada“, „Tú“ von David Torrens, Osamus „Hoy Quiero Mas“...). Er sagt, dass er es mag, nach Möglichkeit die Stimmung und das Bild der Straßen, des kubanischen Lebens in seine Videos zu bringen.
Er hat eine spezielle Zuneigung für ein Ruinengebäude an der Calle Humboldt in Havanna, einem niedergebrannten Restaurant, das nie wiedereröffnet wurde. Unter der Vegetation, die den Großteil der Skelettstruktur wiedererobert hat, ragen verdrehte Eisenträger verrückt in alle Richtungen. Für die meisten Filmemacher wäre dies ein Ort für potentiell tödliche Unfälle, die die Produktion unterbrechen würden. Für Bilko Cuervo ist es der perfekte „Underground“ Schauplatz für ein Hip-Hop-Video wie „Chica Bonita“ von Cuban Expression. Er bevorzugt ganz klar, eine echte städtische Bedrohung als einen abgeschwächten Ersatz in seinen Händen zu haben.
„Kubanische Musik ist mitten in einer riesigen Krise“, erklärt er. „Alles dreht sich um Sex, Geld, große Autos“. Wenn das die Musik der Leute ist, so sei es – aber Bilko sieht nicht warum Musik, nicht tanzbar und intellektuell stimulierend sein kann. Als vielversprechendes Beispiel hebt er die Rapper Calle 13 aus Puerto Rico hervor, deren scharfe gesellschaftliche Äußerungen und satirische Songtexte sie vom Reggaeton-Fußvolk abheben.
Kürzlich drehte Bilko einen Dokumentarfilm, der ihn von den Problemen der kubanischen Musik des 21. Jahrhunderts wegbrachte. Er kehrte zur kubanischen Musik aus dem 18. Jahrhundert zurück, um Yo Soy Tumbero zu drehen. Der Film erzählt die Geschichte von Tumba Francesa, einem großartigen Trommelstil und -tanz, den Einwanderer aus Haiti mitgebracht hatten. Wenn man bedenkt, dass Tumba Francesa zuerst in den östlichen Provinzen von Kuba Beliebtheit erlangte, bedeutet dies auch, dass sich für Bilko Cuervo ein Kreis geschlossen hat – zurück, wo er mal hingehörte.











