JORGE PERUGORRIA aka PICHI
Der berühmteste Schauspieler
Jorge Perugorria, der berühmteste Schauspieler Kubas, lebt in Santa Fe am Rande von Havanna, in einem Haus, das die facettenreichen kreativen Unternehmungen seines Besitzers ebenso reflektiert wie seine Bereitschaft, eine Riesenfete steigen zu lassen. Gemälde – Perugorrias eigene Arbeiten und Werke von Freunden – füllen die Wände. In der Kellerbar, in die man vom Wohnzimmer aus gelangt, findet man einen Steinway-Flügel, ein Schlagzeug und den Text zu einem Carlos-Varela-Song, der „in dieser Bar geboren“ wurde. Und überall sieht man Hinweise darauf, dass Perugorria ein echter Familienmensch ist. Stufen, die von seinem Garten hinunter zum Meer führen, tragen die Inschrift „Pichi y Elbita“ – „Pichi“ ist sein Spitzname, „Elbita“ der seiner Frau Elsa María Lafuente de la Paz, mit der er vier Kinder hat.
Auf ganz Kuba und im Rest der Welt ist Perugorria als blauäugiger Held von „Fresa y Chocolate“ (Erdbeer und Schokolade) bekannt. Der Film wurde 1993 bei den Filmfestspielen von Havanna mit dem ersten Preis ausgezeichnet, im folgenden Jahr erhielt er den Sonderpreis der Jury auf der Berlinale und 1995 war er der erste kubanische Film, der für einen Oscar nominiert wurde. Perugorria spielt Diego, einen schwulen Lebenskünstler, der sich mit dem heterosexuellen Studenten David anfreundet. „Fresa y Chocolate“, gedreht von den Regisseuren Tomás Gutiérrez Alea und Juan Carlos Tabío, befasst sich Themen der Toleranz und Sexualität; vielen Menschen auf Kuba öffnete er die Augen – und Perugorria viele Türen. Und er führte zu zahllosen Interviews, in denen der Schauspieler gefragt wurde, ob er selbst schwul sei.
Perugorria wurde 1965 in Wajay geboren, einem weiteren Vorort von Havanna. Er studierte Bauwesen, bis ihn das Theater packte. Er stand in Shakespeare-Stücken mit dem Ensemble Olga Alonso auf der Bühne, unter Leitung des großen Humberto Rodríguez, und spielte die Hauptrolle in „Die Glasmenagerie“, einem Stück, das er mit dem Ensemble Rita Montaner aufführte. In den frühen 1990er Jahren war Perugorria einer der Mitbegründer des Öffentlichen Theaters von Havanna, das mit Jean Genets „Die Mägde“ sein Debüt feierte – Perugorria spielte die Rolle der Clara. Und das sollte das letzte Mal sein, dass er auf der Bühne stand.
„Ich spielte Clara, arbeitete also an den femininen, androgynen Gesten, die ich für diese Rolle brauchte“, erinnert sich Perugorria. „Carlos Díaz [der legendäre kubanische Theaterregisseur, mit dem Perugorria bei „Die Mägde“ zusammenarbeitete] zeigte meine Szenen Titón [Tomás Gutiérrez Alea], und der war begeistert von der ganzen gestischen Dimension, die ich in die Rolle der Clara einbrachte. Und das führte zu meiner ersten großen Chance beim Film.”
„Ich hatte in ein paar Fernsehserien und Kurzfilmen mitgespielt, aber mein erster richtiger Kinofilm, meine erste große Chance, war ‚Fresa y Chocolate’. Ich ging zum Casting, um für die Rolle des David vorzusprechen, eine Figur, die meine Generation repräsentiert. Schließlich jedoch sagte Titón: ‚Hör zu, ich habe schon mehrere Kandidaten für David, aber dich möchte ich als Diego ausprobieren.’ Das beunruhigte mich ziemlich, denn ich sagte mir, dass sie für Diego einen viel erfahreneren Schauspieler brauchten, einen Schauspieler, der älter war als ich, denn ich war damals erst 27 und hatte noch nicht viele Filme gedreht. Aber nach den Probeaufnahmen sagte Titón, dass er mich als Diego wolle.“
Seitdem hat Perugorria in fast 50 Filmen mitgewirkt, zuletzt in Steven Soderberghs „Che“, auch hat er mehrmals selbst Regie geführt. Und er ist zu einem der effektivsten Kulturbotschafter Kubas geworden. Vor Kurzem organisierte er eine Kunstausstellung in Mexiko-Stadt zugunsten der ostkubanischen Stadt Gibara, die vom Hurrikan „Ike“ schwer beschädigt worden war.
„Nach ‚Fresa y Chocolate’ war ich an einem Scheideweg angelangt”, sagt Perugorria. „Ich beschloss damals, weiter kubanische Filme zu drehen, und ich bin sehr froh über diese Entscheidung. Denn die andere Option wäre gewesen, all dies hinter mir zu lassen und zu versuchen, in Hollywood Karriere zu machen. Für einen Kubaner bedeutet der Weg nach Hollywood oder in die Baseball-Oberliga, sich von seinem Land loszusagen. Es geht nicht nur darum, eine andere Art von Filmen zu machen. Es bedeutet, deine Familie zurückzulassen, dein Land, deine Leute, deine Stadt – und für mich ergab das keinen Sinn. Ich sagte: Nein, ich will weiter kubanische Filme drehen.”
Some movies he features
CHE-S. Soderbergh, 2008
NOWHERE - L. Sepulveda,2002
CARIBE - E. Ramirez, 2002
GUANTANAMERA -T. GutierrezAlea & JC. Tabio, 1995
STRAWBERRY ANDCHOCOLATE- T. GutierrezAlea & JC. Tabio, 1993







