Danza-Teatro Retazos
zeitgenössische Tanztruppe
Im kolonialen Herzen von Kubas Hauptstadt, Habana Vieja, wird aus alt wieder neu, Gebäude erhalten durch Sandstrahlung ihren Glanz aus dem 16. Jahrhundert zurück, Frauen in gelben Rumba-Kleidern und Männer mit Compay Segundo Hüten posieren lässig für Touristen. Daher kann es überraschend sein, zu erfahren, dass dieses historische Viertel das Zuhause der avantgardistischten Tanztruppen der Stadt und eines jährlichen Festivals ist, das den künstlerischen Ausdruck und das Engagement in der Gemeinschaft gegenüber Tradition und Denkmalpflege betont.
Das Tanzensemble heißt Retazos („Fragmente“) und das Festival Stadt in Bewegung (auch genannt Habana Vieja International Festival), dessen 16. Ausgabe vom 11. bis 17. April 2011 stattfindet. Das Ensemble und das Festival wurden von der in Chile geborenen und früheren Ballerina Isabel Bustos Romoleroux gegründet und werden heute von ihr geleitet.
„Am Anfang tanzte ich in sehr traditionellen Rollen, aber ich fühlte mich dabei nicht so wohl“, erzählte uns Bustos. „Daher begann ich die Bewegung zu erforschen“. Ihre Forschung führt sie dazu, bei den besten Choreographen (Ramiro Guerra) und Tänzer (Loipa Araújo) Kubas zu studieren, und später lehrte sie Bühnenkunst bei Kubas Instituto Superior de Artes. Aber ihr wirklicher Durchbruch geschah im Januar 1987 in ihrem eigenen Wohnzimmer. Sie schob alle ihre Möbel gegen eine Wand, damit fünf Tänzer genügend Bodenfläche für die Vorführung der ersten Retazos-Produktion Mujeres hatten.
Zwei Jahrzehnte später hat Teatro-Danza Retazos ihren Sitz in einem schön renovierten Gebäude an der Calle Amargura, mit Büros, einem Theater und Studios, wo die Kinder aus der Nachbarschaft Tanz und bildende Künste studieren können (Malen, Pappmaché, Filmedrehen...).
„Ich arbeite mit den Formen, Techniken, dem Wissen, Situationen, die ich um mich herum vorfinde“, sagt Bustos. „Das ist Retazos – Fragmente von Emotionen, von Leben, von Empfindungen. Jeder von uns ist fragmentiert. Die Art und Weise wie wir diese Fragmente tragen, ist wie unsere Leben sich entwickeln. Und so kam Retazos zusammen. Aus Fragmenten“.
Bustos kam 1963 erstmals nach Havanna, studierte Ballet an Kubas Nationalen Schule für Kunst (ENA), ging nach Paris, um Choreographie an der Sorbonne zu studieren, und kam dann endgültig nach Havanna zurück. Heute ist sie in der ganzen Tanzwelt bekannt, von Europa bis Nord- und Südamerika, wo Retazos zu Auftritten eingeladen wurde, aber sie wird vor allem in Habana Vieja verehrt. Während sieben Tagen an jedem Frühling rüttelt das Festival die Stadt in Bewegung und die alten Pflastersteine des Viertels wieder wach, während sich der Tanz in Parks, auf Balkonen, in Treppenhäusern und Sauf den Straßen ausbreitet. Wie bei allen von der Retazos-Truppe vorgeführten Arbeiten liegt die Betonung des Festivals auf Experimentierung und künstlerische Entdeckung, und das Ergebnis ist typischerweise unvorhersehbar. Die Website von Retazos spricht vom „Versuch, die ungleichen Wegkreuzungen der kulturellen Vorstellungskraft unserer Ära hervorzuheben“.
Man könnte denken, dass das Tanzen für Isabel Bustos genug sein würde, aber zufälligerweise entwirft sie auch Kulissen und Kostüme und ist eine versierte Malerin. „Ich fühle eine viel größere Nähe zur plastischen Kunst als zur Filmkunst“, sagt sie. „Das Bild ist der Schlüssel. Die Abhandlung entsteht durch das Bild“.










