Havana-Cultura - Alexandre Arrechea: zeitgenössicher kubanischer Maler Entdecken Sie die Geschichte von Agustin: der tatowierer von Maradona.

RENE FRANCISCO RODRIGUEZ

Künstler

René Francisco’s interview
René Francisco’s interview
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Wie die meisten Geschichten über bedeutende zeitgenössische Künstler in Havanna beginnt auch diese im Nordwestzipfel der Stadt — in einem Gebäudekomplex namens ISA (Instituto Superior de Arte). Die Idee, am früheren Standort des Havana Country Club im schicken Stadtviertel Cubanacán eine Kunsthochschule zu bauen, soll 1960 entstanden sein, als Fidel Castro und Che Guevara hier in aller Ruhe eine nachrevolutionäre Runde Golf spielten. Der Teil des Instituts, der den visuellen Künsten gewidmet ist, wurde 1965 vom kubanischen Architekten Ricardo Porro gestaltet und ist eines der herausragenden Beispiele moderner Architektur in Havanna: Gewundene Korridore und Ateliers mit Kuppeldächern scharen sich um einen sonnenverwöhnten Innenhof. Und genau hier finden wir René Francisco Rodríguez bei einer Unterrichtspause.

René Francisco ist 48 Jahre alt, sieht aber wesentlich jünger aus — nicht unbedingt überraschend bei einem Mann, der es geschafft hat, nie die Schule zu verlassen. „Dieser Ort ist wie mein zweites Zuhause“, sagt er. „Ich bin 1977 als Student angekommen — deshalb bedeutet mir dieser ganze Zement hier so viel. Meinen Abschluss habe ich 1982 gemacht, dann habe ich noch bis 1989 weiterstudiert, und seitdem unterrichte ich hier.“ Seine unorthodoxen Lehrmethoden, die gelegentlich bei der Hochschulverwaltung Besorgnis auslösen, sind einer der Faktoren, die ihn bei den Studenten so beliebt machen: „Meine Seminare finden statt, wenn ich es will, oder wenn die Studenten es wollen. Und manchmal verlassen wir das Institut, und der Unterricht findet draußen statt, auf der Straße.“

Franciscos Entschlossenheit, das Verhältnis zwischen Lehrkraft und Studenten neu zu überdenken, bewegte ihn 1989 zur Gründung der Galería DUPP (Desde una Pedagogía Pragmática — Ausgehend von einer pragmatischen Pädagogik). Tatsächlich hat die Galería DUPP nichts mit einer Kunstgalerie zu tun; sie hat keine feste Adresse und es geht nur indirekt um das Ausstellen von Kunst und noch weniger um den Verkauf. Unter dem kollektiven Namen „Galería DUPP“ haben Francisco und eine sich wandelnde Gruppe von Studenten in den letzten zwei Jahrzehnten eine erstaunliche Sammlung von Kunstwerken produziert. Das Projekt DUPP entwickelte sich aus Franciscos Interesse an kommunaler Teilhabe — er wollte Künstler aus dem Atelier in die „reale Welt“ holen, und gleichzeitig das Ego aus der künstlerischen Gleichung herausnehmen. Trotzdem sind nicht wenige seiner früheren Studenten, darunter Alexandre Arrechea, Wilfredo Prieto und Duvier del Dago Fernandez, inzwischen selbst als Künstler berühmt geworden.

Francisco spricht weiter voller Bewunderung und umfassend über das ISA: „Dies ist keine Schule, wo man das Malen lernt … Es ist eine Schule der Ideen, wo der Lehrer versucht, die Studenten zu formen …“ Und dann ist es Zeit weiterzugehen. Er führt uns in ein Stadtviertel namens El Romerillo, geografisch ganz in der Nähe des ISA, aber Lichtjahre entfernt vom aristokratischen Stammbaum von Cubanacán. In El Romerillo gab es nie einen Golfplatz. In den 1960er Jahren ließen sich hier kubanische Arbeiter nieder, die vom Land nach Havanna gezogen waren; ihre Häuser bauten sie aus allem, was sie finden konnten (Wellblech, Pappe). El Romerillo wurde zu einem der berüchtigtsten Slums von Havanna. René Francisco begann vor einem Jahrzehnt, El Romerillo zu besuchen: Immer, wenn er Zeit hatte und das ISA verlassen konnte, wanderte er durch das Viertel. Er lernte die Leute kennen, und sie lernten ihn kennen. 2003 erhielt er ein Stipendium von einer Stiftung in Berlin — und fasste einen Plan: Er wollte das Geld in El Romerillo verwenden. Doch wo sollte er anfangen? Wer verdiente es am meisten in diesem verzweifelt armen Viertel? Er beschloss, die Einwohner selbst entscheiden zu lassen. Er wandte sich an 44 von ihnen, und als er alle befragt hatte, wusste Francisco, was zu tun war. Das Stipendium war für ein künstlerisches Projekt vorgesehen, aber das war in Ordnung.

Francisco würde Berlin ein Kunstprojekt geben — und den Einwohnern von El Romerillo etwas, das sie nutzen konnten. Die erste Person auf der Liste, Rosa Estévez, war eine der verehrtesten Figuren im Viertel. „Rosa heilte mit den Händen“, erinnert sich Francisco. „Sie war zutiefst spirituell. Ärzte schickten Patienten zu ihr, um sie zu heilen. Aber sie lebte in bitterster Armut, zusammen mit ihrem Sohn. Die beiden hatten nicht mal eine Toilette.“ Also holte Francisco eine Mannschaft zusammen und ging an die Arbeit — Rosas Haus wurde renoviert. Rosa selbst traf alle Entscheidungen darüber, was zu tun war. Das Dach wurde erneuert, ein Innenhof gebaut, Schränke und Regale gezimmert. Francisco dokumentierte das Projekt von Anfang bis Ende; Vergrößerungen seiner Serie „Casa de Rosa“ wurden Ende 2003 in Berlin ausgestellt. Rosa starb im folgenden Jahr, aber Francisco ist noch immer eng mit ihrem Sohn befreundet, der weiter in dem Haus lebt. Im Jahr 2004 machte sich Francisco daran, das Haus von Marcelina Ochoa umzugestalten, die in El Romerillo nur „Nin“ genannt wird. Sie war 88 Jahre alt und konnte nicht mehr laufen; jeden Tag trug ihr Sohn sie nach draußen, damit sie vor ihrem Haus sitzen konnte. Dann ging er zur Arbeit, und wenn er abends nach Hause kam, trug er sie wieder hinein. „Der Hof vor ihrem Haus war in einem schrecklichen Zustand — voller Abfall, Fliegen, man kann es sich kaum vorstellen“, sagt Francisco. „Sie musste den ganzen Tag da sitzen und auf diese Müllhalde starren. Also haben wir den Hof in einen Garten verwandelt. Sie wählte die Blumen aus, die sie wollte.“ Nin brauchte auch medizinische Hilfe. Francisco brachte einen Arzt zu ihr und organisierte einen Rollstuhl und orthopädische Schuhe. Seine Dokumentation „El Patio de Nin“ stellte Francisco 2007 auf der 52. Biennale von Venedig aus. Wenn man mit René Francisco auf der Hauptstraße steht, die durch El Romerillo führt, ist es offensichtlich, dass sein Engagement für das Viertel weit über jedes künstlerische Interesse hinausgeht, weit über das, was er für Rosa und Nin tun konnte, vielleicht sogar weit über die Grenzen des Möglichen. Wenn man ihn nach der Zukunft fragt, schaut er sich um und sagt: „Ich möchte ein Abwassersystem bauen. Ich würde gern die Mittel organisieren, um die Wasserleitungen zu erneuern, die Infrastruktur zu verbessern. Alles zu verbessern, was mit Hygiene zu tun hat … Klingt unmöglich, ich weiß. Aber das ist meine Arbeit. Ich lebe in einer künstlerischen Utopie.“

Der Tag endet in René Franciscos Atelier, wo er malt. Das überrascht, wenn man bedenkt, was er alles für die Konzeptkunst und die kommunale Entwicklung getan hat, aber ja: René Franciscos Atelier ist voll von äußerst interessanten Gemälden. Mit einem Spatel hat er Farbe auf Leinwände aufgetragen, in einem akribischen, pointilistischen Stil. Die meisten Bilder haben soziologische und politische Themen. Eines zeigt Massen an nicht zu unterscheidenden Gesichtern in Schwarz und Weiß. Ein weiteres stellt Näherinnen dar, die aus einem Meer von Rot, Blau und Weiß Flaggen nähen. „Ich mag Malerei“, sagt er. „Ich mag auch die Arbeit, die ich auf der Straße mache. Das ist wie Yin und Yang, oder?“

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Kommentare
Alegria
I met you in early April with a group from California. I am a MA student in Art History and would like to write a paper on your work. I am particularly interested in your social practice and the project Agua Benita. If you have any particular insights on your work and in paritcular this project, I would be very grateful. It was an honor to meet you in your studio and I look forward to hearing from you. Many thanks, Christina Alegria
Jerez
Felciaitaciones por tu gran trabajo y adelante como siempre
Havana Cultura
Hola Christina, Vamos a enviarte un mail con las informaciones que buscas. Saludos!
alvarez
felicitaciones por tu grán trabajo, me encantó. Y por tu humanismo. Saludos desde México
rodriguez
c'est superrrrrrrrrrrr
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