Havana-Cultura - Ogguere : kubanische Hip Hop Gruppe Havana Cultura - Haydée Milanés: sexy, lässig, jazzy und lieblich kubanische stimme.

NACIONAL ELECTRÓNICA

Elektro-akustisches Duo

Interview
Interview
00:06:50
100 %
100 %
00:03:18
Aerobios
Aerobios
00:03:09
Una canción de amor
Una canción de amor
00:02:47

Nun ist es für Havana Cultura an der Zeit, eine verborgene Ecke der kubanischen Musikszene zu erkunden, einen Überschallknall entfernt von Salsa, Bolero, Sucu-Sucu, Son montuno, kubanischem Jazz und praktisch jedem anderen Stil, den man in Havanna erwarten könnte. Heute treffen wir Nacional Electrónica, ein elektro-akustisches Duo, bestehend aus zwei talentierten jungen Männern – und keiner der beiden spielt ein Musikinstrument.

Nacional Electrónicas Musik ist rhythmisch und instrumental; das Duo verwendet Keyboards, Umgebungsgeräusche, evozierende Stimmungen. Nein, tanzen kann man nicht dazu – aber wer behauptet denn, dass kubanische Musik unbedingt Tanzmusik sein muss? Kuba hat eine distinguierte (wenn auch größtenteils unbekannte) Tradition der Experimentalmusik. Ein gutes Beispiel ist Juan Blanco, dessen Música para danza 1964 in Havanna uraufgeführt wurde, und der ein Instrument erfunden haben soll, das dem Mellotron 20 Jahre vorausging. Die Arbeit von Nacional Electrónica – das Duo tat sich 2004 zusammen - lässt auf eine neue Welle des musikalischen Experimentierens schließen, die ihre Existenz der Verfügbarkeit von Heimcomputern verdankt.

Wir treffen Alexis de la O und Edwin Casanova im Baseballstadion der Universität Havanna, eine mysteriöse Ortswahl für unser Interview. Wir folgen ihnen zurück in die Zweizimmerwohnung, in der Alexis lebt und wo die beiden arbeiten und komponieren. Die Wände im größeren Zimmer sind pink, die Türen blau und die Wäsche hängt an den Fensterläden. Die Möblierung besteht aus einem Esstisch, einem Kühlschrank, Schaukelstühlen und einem Schreibtisch, auf dem sich simples Audio-Equipment und ein Computer stapeln. Dies ist das Hauptquartier von Nacional Electrónica, und wir werden gebeten, seinen genauen Standort nicht zu verraten – aus Gründen, die wir nicht ganz verstehen.

„Die Leute sagen, dass wir keine Musiker sind“, erklärt Alexis, aber das ist ihm egal. Weder er noch Edwin haben jemals so getan, als seien sie Musiker. „Wir sehen das Ganze als Job. Wir entwickeln ein Produkt. Unsere Intention ist sehr ernst. Zumindest möchten wir, dass die Leute merken, dass in der kubanischen Musikszene Experimentelles stattfindet. In den 90er Jahren war ein Großteil der kubanischen Musik der Unterhaltung gewidmet, dem Aufspüren einer Formel, an die man sich dann hielt. Vielleicht sind wir eine Art Gegenkultur. Unsere Musik ist sehr elementar, aber vielleicht kann sie dazu beitragen, das Spektrum der kubanischen Musik etwas auszudehnen. Vielleicht könnte sie sogar andere Arten der kubanischen Musik beeinflussen.“

„Wir unterscheiden uns darin“, erklärt Edwin, „dass die elektronische Musik für uns nie ein Hobby war, etwas, was man aus Spaß zuhause macht. Wir haben das Ganze sehr ernst genommen, es hatte eine starke visuelle Dimension für uns. Videoclips sind eines unserer effizientesten Werkzeuge.“


Ihr Video Llegamos al Futuro („Wir sind in der Zukunft angekommen“) zeigt einen technisch dürftig ausgestatteten Kosmonauten aus sowjetischer Zeit, der wie auf dem Mond durch Havanna spaziert. Er trägt einen Motorradhelm und Gummistiefel, auf dem Rücken hat er einen Staubsauger. Edwin hat recht: Llegamos al futuro ist effizient.

Plazas y Precipicios war der Titel der ersten Aufnahme von Nacional Electrónica, sie erschien 2004 als Soundtrack zu einem Dokumentarfilm. Weitere Veröffentlichungen sind Mouse Music und Llegamos al Futuro. Die beiden erhalten Aufträge für die musikalische Untermalung von Werbung, Kurzfilmen und Theateraufführungen. „Wir verwenden nie Loops oder Samples“, sagt Edwin. „Wir entwickeln all unsere Musik von Grund auf. Es ist alles sehr handwerklich.“ Trotz ihres erklärten Misstrauens gegenüber dem Klassizismus sind Nacional Electrónica sehr interessiert an der kubanischen Liedgestaltung. So haben sie auch mit kubanischen trovadores wie Michel Portela and Rolando del Rio zusammengearbeitet.

Alexis wurde in Havanna geboren und lebte 15 Jahre lang in Russland, wohin seine Eltern beruflich versetzt worden waren. Edwin wuchs in Zentralkuba auf (geboren in Camajuaní, aufgewachsen in Santa Clara). Die beiden lernten sich im Graduiertenkolleg an Havannas Instituto Superior de Arte kennen, wo Alexis Kunst studierte und Edwin Bühnendesign und Architektur. Sie fanden heraus, dass beide sich für elektronische Musik interessierten und gingen an einem Pentium-II-PC an der Arbeit, als Software diente ACID Music Studio.

„Unser Image haben wir schon immer alten sozialistischen Propagandazeitschriften der 70er Jahre entnommen“, erzählt Alexis. „Diese Magazine zeigen Technologien, die heute völlig veraltet sind. Unsere Art Musik hängt von Hochtechnologie ab, aber wir produzieren sie mit sehr schlechten Technologien, Technologien, die es in den 70ern noch gar nicht gab. Wir spielen gern mit diesem Kontrast.“

Kommentare
Sohini
Nacional Electronica really rocks! Amaizing work and music!
Sohini
Very nice and interesting!
Clément
Great music
Alle Kommentare zeigen
Einen Kommentar hinzufügen
KUMAR
Hip-Hop-Künstler
TELMARY
Sänger
  M-Alfonso
Sängerin und Komponistin
DOBLE FILO
Hip-Hop-Band
Interactivo
Timba-funk band
GENTE DE ZONA
Reggaeton-Trio
Carlos Varela
Sänger – Liedermacher
Los Van Van
Timba-Gruppe
Calle 13
Reggaeton band
KELVIS OCHOA
Sänger - Komponist - Produzent
YISSY
Musikerin - Perkussionstin
ROBERTO FONSECA
Jazzmusiker
OBSESIÓN
Hip-Hop Duo
X ALFONSO
Sänger - Komponist - Produzent
NACIONAL ELECTRÓNICA
Elektro-akustisches Duo
  Arema Arega
Sängerin - Komponistin
RAUL PAZ
Sänger - Komponist
WILLIAM VIVANCO
Sänger - Komponist
OGGUERE
Hip-Hop Duo
YUSA
Sängerin - Komponistin
YASEK MANZANO
Jazztrompeter
DESCEMER BUENO
Sänger - Komponist - Produzent
DANAY
Sängerin
CUBANITO 20.02
Kubanisches Ragga-Trio