Havana-Cultura - Gilles Peterson Worldwide Awards : Januar 2009 Havana Cultura - Carlos Varela - Kubanischen Sanger und Songwriter - Kubanische Musik

Los Van Van

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Los Van Van
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In den letzten vier Jahrzehnten hat Los Van Van der Welt gezeigt, dass kubanische Musik nicht nur lebendig und wohlauf ist, sondern durchaus auch zur tanzbaren Musik zählt. Die Reaktion des Publikums auf seiner jüngsten Tour durch die USA (Los Angeles, New York, Miami...) ist der neuste Beweis darauf, dass ihre Mission ein durchschlagender Erfolg gewesen ist. Nach genauerem Hinsehen - besonders nach einem seltenen Interview in Havanna, wo alles anfing - wird einem allerdings klar, dass viel mehr hinter Los Van Van steckt als nur Tanzmusik. 

Der wahre Erfolg von Los Van Van besteht darin, dass sie etwas sehr Kompliziertes, nämlich komplizierte Lyriken, elektronische Instrumentierung und vielschichtiges Schlagzeug, als einfach erscheinen lassen. Sie haben einen Sound erfunden (tatsächlich mehrere Sounds) der unbestreitbar ihr eigener ist. Lange bevor „Fusion“ das allumfassende Kennzeichen für kubanische Musiker wurde, die etwas völlig neues schaffen wollten, setzte Los Van Van die Segel nach neuen musikalischen Ufern und hat dies nie bereut. Hören Sie sich die ersten Aufnahmen der Band an, dann hören Sie Violinen, die Akkorde der Rockmusik entwickeln („El Penoso“), sowie traditionelle Changüi-Rhytmen, die total umgekrempelt wurden.

Der Name der Band ist Gegenstand einiger Diskussionen. Die am meisten wiederholte Version besagt, dass Los Van Van die englische Übersetzung von „The Go Go’s“ ist, also ein Hinweis auf Popmusikarten der sechziger Jahre auβerhalb Kubas. Juan Formell, der Los Van Van 1969 gegründet hat und der auch jetzt noch der Bandleader ist sagt, dass der Name ursprünglich ein Wortspiel bezüglich der Kampagne der kubanischen Regierung war den Zuckerrohrertrag des Landes zu steigern („¡Los diez millones van!"), allerdings misst er dem keine Wichtigkeit zu. Er tut es damit ab, dass es ein Name wie jeder andere sei. Die Musik der Band ist allerdings eine andere Geschichte und sie hat ihn seit jeher total in Besitz genommen.

Juan Formell wurde 1942 in Havanna geboren und hatte zuerst von seinem Vater, der Musiklehrer war, Musikunterricht bekommen und danach studierte er mit den legendären kubanischen Bassisten Orestes Urfe und Israel „Cachao“ Lopez. Er bekam seine ersten Auftritte in Tanzlokalen, wo er seinen Kontrabass spielte und nach der kubanischen Revolution sein Glück zu machen versuchte. Er schrieb das Lied „La Martes“, das sein erster Tanzhit wurde, während seiner Zeit mit der Revé's charanga Band.

Formell gründete Los Van Van mit einem anderen Mitglied von Revé, einem Klavierspieler namens Cesar „Pupy" Pedroso, wonach die beiden einen Hit nach dem anderen schrieben. In den frühen Tagen wies die Aufstellung von Los Van Van zwei Violinen und zwei Flöten auf, genau was man von einer jeden traditionellen kubanischen Charanga-Band erwarten würde, allerdings gab es dann noch drei Posaunen und drei Sänger, zusammen mit Formell am Bass und Pupy am Klavier. Mit der Zeit kamen E-Piano, Orgel, E-Gitarren und Synthesizer dazu, aber man könnte darüber argumentieren, dass es schon immer das Schlagzeug war, das den Los Van Van Sound hervorgehoben hat. 

In den ersten Aufnahmen der Band spielte ein Schlagzeuger names Blas Egües, der aber schnell durch José Luis "Changuito" Quintana ersetzt wurde. Changuitos Virtuosität an Schlagzeug und Kesselpauken ermöglichte Formell eine unkonventionelle Version von son montuno zu gestalten, die er „songo“ nannte. Für viele Kubaner wurde songo der Sound der siebziger Jahre. 1988 war „Songo“ auch der Titel von Los Van Vans erstem Erfolgsalbum (international von Mango Records herausgegeben). Die Entstehung von sango war allerdings nicht Los Van Vans letzter Sound, sondern sie kreierten auch den bahnbrechenden, schwindelerregend komplexen rhytmischen Stil, der als timba bekannt wurde, lange bevor kubanische Timba-Bands wie La Charanga Habanera und NG La Banda in den neunziger Jahren  den Sound berühmt machten. 

Viele Fans fragten sich was wohl aus Los Van Van werden würde, nachdem Changuito die Band 1993 verlieβ. Die Antwort kam mit Formells Sohn Samuel, der das Schlagzeug von Changuito übernahm und dann hervorragende Kompositionen, wie „Te Pone La Cabeza Mala" (1997), den Titelsong von Los Van Vans bestem Album, hervor brachte.

Neue Spekulationen bzgl. Los Van Vans Zukunft entstanden, als Pedro Calvo (der Sänger, der durch „Se Acabo De Querer" bekannt geworden war) in 2000 die Band verlieβ. Im gleichen Jahr bekam die Band ihren ersten lateinamerikanischen Grammy-Award für „Llego Van Van“. Die Ängste verdoppelten sich im folgenden Jahr, als Pupy die Band verlieβ, um die Band Los Que Son, Son zu gründen, die möglicherweise eine Konkurrenz darzustellen drohte. Es scheint allerdings, dass Juan Formell die Herausforderung liebt, und in 2005 machte er ein spektakuläres Comeback mit dem Album „Chapeando“. 

Heute singen Mayito Rivera, Roberto "Roberton" Hernandez, Lele Rosales, und Yeni Valdes, die erste weibliche Lead-Sängerin, mit Los Van Van. Farnell scherzt, „dass es auch möglicherweise die letzte ist, da Yeni einmalig ist und ihre Stimme einen wunderschönen Stimmumfang besitzt. Sie ist eine Sängerin, die sehr viel zum ganzen Orchester beiträgt.“ 

Manchmal singt Juan Formells Tochter Vanessa auch mit. Samuel Formell ist immer noch hinter dem Schlagzeug und hat auch die Rolle seines Vaters als Musikdirektor übernommen. Samuel Formell hegt keine Zweifel über die Zukunft der Band oder über deren Fähigkeit durch Innovation relevant zu bleiben:„Heute folgen wir in Juan Formells Fuβstapfen auf verschiedene Weise”,  erklärt sein Sohn und Nachfolger. „Heute gibt es neue Musiker, junge zeitgenössische Musiker, die Musik ist reichhaltiger, es gibt ein höheres Niveau musikalischen Könnens. Das ist zwar schön und gut, aber Juan Formells Ideen leben weiter und sein Konzept wird immer weiter leben.“  Los Van Van ist auch weiterhin auf Tour und erfreut die Welt mit  kubanischer Tanzmusik auf eine Weise, die sich keine andere Band jemals vorstellen kann.

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