|
|

Gente de Zona ist ein Trio, das die Tatsache, hier in Kuba zu leben, voll ausschöpft. Es ist in erster Linie eine Reggaeton-Gruppe, die die Popularität dieser Musik nutzt, um junge Kubaner anzusprechen.“
Diese geschäftsmäßige Beschreibung stammt nicht vom Marketingdirektor einer großen Plattenfirma. Der Sprecher ist vielmehr Alexander Delgado („Ale“), Mitbegründer und wichtigster Songwriter von Gente de Zona. Er betont, dass ihm die Popularität seiner Gruppe und ihr Status als führende Exponentin einer sehr tanzbaren Musik namens „Cubaton“ absolut nicht unangenehm sind.
Delgado, 27, wuchs in Alamar auf, dem Viertel von Havanna, das am engsten mit der kubanischen Hip-Hop-Szene verknüpft ist und das jährliche Alamar Rap Festival veranstaltet. „Am Anfang bin ich zu allen Rap-Shows gegangen und haben mit Sampling angefangen“, erinnert sich Delgado. „Dann kam der Reggaeton und gab mir die Chance, unseren Straßentexten ein kommerzielleres Format zu geben und der Dance-Musik eine Währung, eine Bedeutung.“
Der offiziellen Biografie der Gruppe zufolge entstanden Gente de Zona im Jahr 2000, als Delgado versuchte, verschiedene Rapper aus Alamar zusammenzubringen, um Musik zu machen. „Am Anfang waren wir nur ein paar Typen aus der Nachbarschaft, und ich hatte keinen Namen, so kamen wir auf Gente de Zona (Leute aus dem Viertel).“ Schließlich lernte Delgado Michel „el Caro“ kennen, und die beiden begannen, auf Partys und offiziellen Veranstaltungen in Stadtteilen Havannas zu spielen, in denen Hip-Hop angesagt war – Guanabacoa und Regla, vor allem aber in ihrem eigenen Viertel, Alamar.
2005 verließ Michel das Projekt, und Gente de Zona entwickelte sich zu dem Trio, das es bis heute ist: Yosdany („Jacob Forever“) und Fernando Otero („Nando Pro“) stießen zu Alexander. 2005 war auch das Jahr, in dem die Jungs von Gente de Zona ihr erstes und bisher einziges Album aufnahmen und mit „Pa’ la Gente de Mi Zona“ eine Hitsingle produzierten. Lange Zeit war es unmöglich, den Fernsehkanal Cubavision einzuschalten, ohne Gente de Zona entweder „Soñe“ oder „La Campana“ spielen zu sehen, zwei weitere Hits.
Um es also klarzustellen: Die Gründung von Gente de Zona war keine Geschäftsentscheidung, die von der weltweiten Popularität des Reggaeton ausgelöst wurde, der in den 1990er Jahren zunächst Panama und Puerto Rico eroberte. Das Trio ist jedoch mit dafür verantwortlich, dass der Reggaeton interessanter wurde – und kubanischer. Delgado: „Ich komme aus Alamar, Nando aus Santa Fe, und wir gehörten von Anfang an zur kubanischen Hip-Hop-Szene. Wir kleideten uns wie die anderen Rapper, aber wir klangen nicht wie sie. Unsere Texte waren kommerzieller. Fast alle unsere Songs stammen von der Straße, basieren auf unseren persönlichen Erfahrungen, aber wir wollten nicht nur Musik für eine bestimmte Gegend machen. Wir wollten unsere Gedanken und unsere Musik für ein breiteres Publikum übersetzen, für alle Kubaner.“
Und noch etwas sollte klargestellt werden: Der Erfolg fiel Gente de Zona nicht in den Schoß. „Ein Hit passiert nicht ohne viel Arbeit“, sagt Delgado. „Als wir unseren ersten Hit hatten, war ich überrascht. Denn am Anfang war’s schwer. Wir arbeiteten hart. Wir waren kurz davor aufzugeben. Wir wollten sofort populär sein, und das passierte einfach nicht. Und als es dann endlich passierte und wir populär wurden, war das eine Überraschung. Ich bin bereit zu sagen, dass wir Glück hatten, aber ich glaube nicht, dass man Glück haben kann, wenn man nicht dafür bereit ist.“