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Eines der faszinierendsten Monumente in Havanna befindet sich an der nordöstlichen Ecke der Plaza Vieja und heißt Descemer Bueno. Er ist ein rappendes, Bass-spielendes, Jazz-improvisierendes Monument für die Vielseitigkeit und Exportierbarkeit der kubanischen Musik von heute. Natürlich gibt es keine Garantie, dass er noch auf der Plaza Vieja steht, wenn ihr ihn suchen kommt – vielleicht verschwindet er sogar, bevor dieses Interview gelaufen ist – denn Descemer Bueno ist die Art von Monument, die nicht lange stillsitzt.
Er wurde 1971 in Habana Vieja, Alt-Havanna, geboren und studierte Musik hier; schließlich qualifizierte er sich als Lehrer. Dies war auch das Viertel, in dem Estado de Animo probte (die Jazz-Combo, die Descemer Anfang der 1990er Jahre mit dem Gitarristen Elmer Ferrer und dem Trompeter Roberto Carcasés gründete). Und diese Proben zahlten sich aus: Estado de Animo verbrachte einen Großteil der 90er Jahre auf Tourneen durch Spanien, Bolivien, Uruguay, Deutschland und Argentinien. Anschließend ging Descemer 1998 mit einer anderen Jazzband, Columna B, in den USA auf Tournee. Und so begann seine Odyssee.
Descemer wurde „Artist in Residence“ an der Stanford-Universität in Kalifornien und unterrichtete ein Jahr lang an der Universität von Südafrika in Kapstadt. Aber in Wirklichkeit machte er Musik und schrieb Songs. 1999 zog er nach New York und wurde Mitbegründer von Yerba Buena, der inzwischen legendären Latin-Hip-Hop-Band. Descemer war Autor bzw. Co-Autor der meisten Songs auf „President Alien“, Yerba Buenas herausragendem Debütalbum.
Die Songs von Yerba Buena tauchten in amerikanischen Filmen und Pepsi-Werbeclips auf, aber Descemer Bueno zog weiter. Er verließ Yerba Buena und New York und begann, mehr Zeit auf Kuba zu verbringen. Er tauchte als Produzent, Arrangeur oder Komponist auf scheinbar jedem bemerkenswerten Album auf, das auf der Insel entstand. Er produzierte „Haydée“ von Haydée Milanés, „La Isla Milagrosa“ von William Vivanco, „Breathe“ von Yusa; zum Zeitpunkt dieses Interviews arbeitete er an einem Album mit dem neuen Stern am Musikhimmel, Diana Fuentes. Er produzierte auch die Musik für den Film „Havanna Blues“, für die er 2006 mit dem spanischen Goya-Preis für die beste Original-Filmmusik ausgezeichnet wurde.
Doch auch sein elektrischer Bass war immer in Reichweite. Er studierte Klavier und Gitarre, aber der Bass hat eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf ihn. „Der Bass bestimmt den Ton der ganzen Band“, sagt er. „Er ist ein alltägliches Instrument, ein Hintergrundinstrument – nein, ein Untergrund-Instrument. Der Bass wandert durch die Straßen der Großstadt, verstehst du? Der Bass geht überall hin. Er ist nicht besonders musikalisch oder sentimental – er ist elementar.“
Seine ersten professionellen Gigs als Bassist hatte er mit Santiago Feliú, einem der größten Troubadoure Kubas. Und als Feliú ihn dazu brachte, Songs zu schreiben, erkannte er, dass ihm auch das Texten lag. Die Boleros, die er für Fernando Álvarez schrieb, kurz bevor der Sänger 2002 starb, brachten Descemer den Ruf eines jungen „Bolerista“, den man nicht unterschätzen sollte.
„Heute bin ich als Komponist wesentlich bekannter als als Sänger“, sagt Descemer. „Die Leute erkennen meine Musik, aber sie wissen nicht, wer ich bin. Aber sie kennen meine Musik, und das ist mir wirklich das Wichtigste. Im Ernst – ein aufgeblasenes Ego und Prominenz sind Sachen, von denen ich mich fernzuhalten versuche.“
Er meinte, eine gute Formel gefunden zu haben, um Prominenz zu vermeiden, als er bei dem Label Universal Latin einen Vertrag über sein erstes Soloalbum unterzeichnete. „Damals beschloss ich, keinen Reggaeton zu spielen“, erinnert er sich. „Ich wollte keinen Hip-Hop machen. Ich wollte Fusion machen.“ Das Album war „Siete Rayo“ (2005), an dem auch George Pajon von den Black Eyed Peas mitwirkte und Descemer als jemanden lobte, der „auf eine Art rappte, wie niemand sonst in der lateinamerikanischen Musik.“
Und jetzt, wo er letzte Hand an sein zweites Soloalbum legt, ist Descemer wieder dort, wo alles begann: auf der Plaza Vieja – und das genießt er ganz offensichtlich. Er hat in Miami und New York gelebt und ist vor kurzem nach Los Angeles umgezogen, doch wie man nicht wenigen seiner Texte hört: Sein Herz ist noch immer in Havanna. Und in Havanna ist auch seine Mutter zu Hause, im gleichen Gebäude in der Calle Villegas, in dem Descemer aufwuchs.
„Wenn ich träume, träume ich von diesen Straßen“, sagt er. „Ich denke, dass ich in Zukunft wieder mehr auf Kuba arbeiten werde. Ich komme sehr oft hierher – erstens, weil es mein Land ist und meine ganze Familie hier lebt, aber vor allem auch, weil meine musikalischen Wurzeln hier auf Kuba mich immer wieder zurückziehen.“
Schnappt ihn euch, solange er noch hier ist.