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Mit freundlicher Genehmigung von H Magazine
Havannas liebste Ikone bekommt einen neuen Look. Das faszinierende Projekt der Designgruppe (e)spacios, die Schaffung fünf fantastischer neuer Strukturen, die einige der Lücken an der bekannten Malecón-Front füllen sollen, nimmt langsam Form an.
Die Gruppe (e)spacios, der heute die Architektin Vilma Bartolomé Arencibia sowie die Designer Raidán Valdés Hung und Maikel Sánchez Cal angehören, entstand 1998. Zunächst besaßen sie nichts als Stifte, Papier und selbstgebaute Schreibtische. Heute arbeitet die Gruppe in hellen, gut ausgestatteten Büros in Alt-Havanna. Ihr Ziel ist es, die Schranken zwischen Kunst, Design und Architektur niederzureißen. Traditionell zählen die schönen Künste nicht zur Rolle von Architekten und Designern, aber (e)spacios setzt erfolgreich alle drei Disziplinen ein.
Vilma hatte die Idee zum Malecón-Projekt: „Ich fahre jeden Tag den Malecón entlang und sah, dass jedes Mal, wenn ein Gebäude abgerissen wurde, an seiner Stelle eine behelfsmäßige Cafeteria entstand. Ich fand, dass wir eine neue Ästhetik schaffen könnten.“ Mit Hilfe der Designerin Sulumi Sánchez Herrera stellte die Gruppe ein Projekt zusammen, das auf der Architektur-Biennale im Mai 2004 vorgestellt wurde. Vilmas Überzeugung, dass die Menschen von Havanna „auf etwas Neues aus waren“, wurde bestätigt, als die Entwürfe im hispanoamerikanischen Kulturzentrum ausgestellt wurden. Hunderte von Anwohnern kamen, sahen und billigten die Pläne.
Die Mitglieder von (e)spacios entnahmen das Grundkonzept für das Malecón-Projekt einem Kunstwerk der Gruppe Los Carpinteros namens „Ciudad transportable“ (tragbare Stadt); die fünf vorgeschlagenen Cafeterias, alle aus Leinwand, die über Metallrahmen gespannt wurde, sollten temporär, vergänglich sein.
Entsprechend ihrem Ziel, verschiedene Disziplinen zu kombinieren, machte (e)spacios die Arbeit fünf kubanischer Künstler zum Thema der von der Gruppe geplanten Cafeterias. Alles, vom Raum selbst bis hin zur Einrichtung und sogar dem Menü, basiert auf der Arbeit eines Künstlers. Die Cafeteria, die auf der Darstellung einer Muschel des Künstlers Roberto Fabelo basiert, wird sich zum Beispiel auf Meeresfrüchte spezialisieren.
Das kühne, fantasievolle Projekt der Gruppe (e)spacios ist vom Stadthistoriker Eusebio Leal gutgeheißen worden; schon bald wird die Stadtlandschaft von Havanna von fünf neuen, weißen Wahrzeichen gekrönt sein, die am berühmtesten Wahrzeichen von allen in die Höhe ragen.
Malecón y Aguila. Künstler: Roberto Fabelo
Fabelos Vision von der kubanischen Identität wird von dieser Struktur reflektiert, die das Markenzeichen des Künstlers in Form der gewundenen Leinwandmuschel mit einer Anspielung auf eines seiner Werke, das eine Schale darstellt, kombiniert: Mar interior (Meeresinterieur) in Form der Theke. Eine Steinbank, die eine gesamte Seitenwand der Cafeteria einnimmt, erinnert daran, dass der Malecón als „Havannas Sofa“ bekannt ist. Auf dem Menü: Meeresfrüchte.
Malecón y Lealtad.Künstler: Ángel Ramírez
Ángel Ramírez ist vor allem für seine „mittelalterlichen“ Werke bekannt, darunter witzige Neuinterpretationen von Duccio und Cimabue. Das Thema hier ist mittelalterlich aus kubanischer Sicht. Die geflügelten Bögen der Cafeteria erinnern an gotische Strebebögen. Die Einrichtung ist monastisch, mit schweren Holztischen im Stil eines Refektoriums und cleveren Scharnierstühlen, die sich von sehr intimen geschlossenen Beichtstühlen in gesellige Bänke verwandeln lassen. Auf dem Menü: traditionell kubanische Gerichte.
Malecón y Gervasio.Künstler: Arturo Montoto
Montotos Gemälde haben immer auch ein verwirrendes Element, oft ein Stück Obst, das beliebig auf einem architektonischen Detail platziert wurde. Hier finden sich die verwirrenden Elemente in den ungewöhnlichen Details der Innenausstattung, die mit der sehr traditionellen, klassischen Kuppel- und Säulenstruktur kontrastieren. Die Stühle sind wie Obst- oder Gemüsescheiben geformt, und in den Wänden und Tischen findet man hier und da Buntglasscheiben, die Früchte darstellen. Auf dem Menü: vegetarische Gerichte.
Malecón y Belascoaín.Künstler: Esterio Segura
Der Konzeptkünstler Segura befasst sich mit der Thematik Migration und Reisen, eine Erfahrung, die das Leben der meisten Kubaner berührt. Der Raum erinnert an einen riesigen Wartesaal oder eine Abflughalle, Bildschirme zeigen das Menü wie Abflugs- und Ankunftszeiten an. Die Möblierung spielt auf eine andere, weniger internationale, dafür aber sehr kubanische Art des Transports an: das Fahrrad, und zwar recycelte Fahrräder. Auf dem Menü: Fast Food.
Malecón y Campanario.Künstler: Alfredo Sosabravo
Sosabravos leuchtende Farben und fantastische Formen spiegeln sich hier in den Möbeln wider, die an Süßigkeiten erinnern. Tische und Stühle in Primärfarben erzeugen die spielerischen Elemente in diesem zukünftigen Eiscafé. Wie bei den anderen vier Cafeterias besteht auch hier die Hauptstruktur aus Leinwand, aber das Lokal befindet sich auf zwei gegenüberliegenden Straßenecken, die durch einen Tunnel verbunden werden. Auf dem Menü: Eiskrem und Gebäck.